Aus meinem Geschichtsunterricht ist mir nur eine Gestalt in Erinnerung geblieben, wirklich nur eine einzige – und das ist Kaiser Barbarossa. Kaiser Barbarossa mit dem leuchtend roten, zotteligen Bart und dem verwuselten dichten Haar, der auf einem Elefanten sitzend die Alpen überquert. Und selbst das stimmt ja überhaupt nicht! Da habe ich schwer etwas verwechselt, denn der Feldheer Hanibal zog mit einem 60.000 Mann starken Heer und 39 Elefanten über die Alpen – und Kaiser Barbarossa, viele Jahrhunderte später, spendete zu dieser Meta-Einnerung nur seinen Bart.

Hanibal (gestresst)*
Wie dem auch sei: immer wenn ich nun auf meiner Reise zwischen Deutschland und Portugal über die Alpen fliege, denke ich an etwas Rotes und an Elefanten, höre ihr fassungsloses Trompeten, während sie auf dem harten, felsspitzigen Grund mit ihren dicken, weichen Füßen entlangstampfen – und denke, was für eine Mühsal! Was für eine schreckliche Qual doch das Reisen und Erobern in früheren Zeiten war! Eine Lebenserwartung von ca. 40 Jahren – und Söhne, die sich mit 18 auf in den Kreuzzug machten, und die man, wenn man Glück hatte, nach vielleicht 10 Jahren wiedersah – oder eben nie mehr, weil sie im Ausland arbeiteten, keine Ferien hatten und das Geld für die 6-monatige Reise zwischen Lagos und Hamburg nicht zusammenbekamen.
Und dann ich: eben noch am Boca do Rio am ersten wirklich warmen Tag des Jahres im T-Shirt auf den Mauerresten der römischen Villa gesessen und aufs Meer geguckt

Alte römische Ruine bei Budens
- und jetzt, 6 Stunden später, dick eingemummelt, in Düsseldorf am Hauptbahnhof auf ein Taxi wartend. Der Fahrer, ein Portugiese, steigt aus und hievt mein Gepäck in den Kofferraum. Das ist überhaupt nichts besonderes, denke ich. In ein paar Jahren wird sich die Reisezeit um zwei Drittel reduziert haben, oder es reicht vielleicht nur noch ein Augenblick. Wir denken uns an die Algarve, wir verleben dort drei tolle Wochen und dann … denken wir uns einfach wieder zurück.
*Abb. Hanibal aus: www.wasistwas.de



